Elena Engel und Manfred Emmenegger
BALANCE
Mit der Ausstellung „BALANCE“ begegnen sich zwei künstlerische Positionen, die sich auf unterschiedliche Weise der Suche nach der Mitte widmen. Die Werke von Elena Engel und Manfred Emmenegger kreisen um das Spannungsverhältnis von Bewegung und Ruhe, Leere und Form, Stabilität und Fragilität. Gemeinsam eröffnen sie einen Raum, in dem Balance nicht als statischer Zustand, sondern als fortwährender Prozess erfahrbar wird.
Die Düsseldorfer Künstlerin Elena Engel, die an der Kunstakademie Düsseldorf bei Prof. Gerhard Hoehme studierte, entwickelt seit vielen Jahren skulpturale Pendelobjekte aus Holz und Eisen. Das Pendel wird dabei zum Sinnbild für den Weg des Menschen zu seiner eigenen Mitte. Ihre Arbeiten laden dazu ein, innere Ausgewogenheit und Konzentration zu erfahren – eine Einpendelung im wörtlichen wie im übertragenen Sinn.
Seit 2016 hat Elena Engel ihr künstlerisches Spektrum um Arbeiten auf schwerem handgeschöpftem Papier erweitert. In ihren abstrakten Bildfindungen bildet der menschliche Körper den Ausgangspunkt. Sie beziehen sich auf das Innenleben des Menschen und eröffnen dem Betrachter einen kontemplativen Zugang – zu den dargestellten Formen ebenso wie zu sich selbst. Das Motiv der Mitte erhält hier eine neue, malerische Ausdrucksform.
Der Bildhauer Manfred Emmenegger aus Ottersweier verfolgt eine klare, geradlinige Formensprache. Im Zentrum seiner Arbeit steht die Wahrnehmung: Im Spannungsfeld zwischen Künstler, Kunstwerk und Betrachter versteht er den eigentlichen Ort der Kunst. Der materialgerechte Umgang mit Ton, Keramik, Metall und Stahl sowie die präzise Ausarbeitung führen zu reduzierten, architektonisch anmutenden Raumkonstruktionen.
Neben klassischen Skulpturen entstehen temporäre Installationen aus Ziegel und Stahl, die Balance als physischen und psychischen Zustand erfahrbar machen. Gegensätzliche Kräfte verharren in einem fragilen Gleichgewicht und erzeugen eine Spannung, die den Raum ebenso prägt wie die Wahrnehmung des Betrachters. Seit jüngerer Zeit ergänzen architektonische, häufig fragmentarische kubische Baukörper aus Keramik sein plastisches Werk. Hinter ihrer formalen Einfachheit entfalten sie bei näherer Betrachtung eine subtile Irritation.
In der Gegenüberstellung beider Positionen wird deutlich, wie unterschiedlich und zugleich verwandt sich die menschliche Suche nach der Mitte künstlerisch ausdrücken lässt. Während Elena Engel Bewegung in einen Zustand innerer Sammlung überführt, lotet Manfred Emmenegger das Gleichgewicht gegensätzlicher Kräfte im Raum aus. Die Bewegung findet ihren Ruhepunkt – als Ort der Stille, der Meditation und der Wahrnehmung.



