Sasha Koura - Künstlerin in Baden-Baden 2025
Mit der Wahl von Sasha Koura zur diesjährigen „Künstlerin in Baden-Baden“ ehrt die Stadt eine Künstlerin,
deren Werk durch besonderes Gespür im Umgang mit Materie, Wahrnehmung und Zeit überzeugt.
Die seit 2010 in Baden-Baden lebende und arbeitende Künstlerin entwickelt aus Papierresten und Fundstücken
Arbeiten und Installationen, die konzeptuelle Klarheit mit Sensibilität für Form und Material verbinden. Sasha
Koura arbeitet mit Strategien der Kontextverschiebung und Doppeldeutigkeit, durch die vertraute Gegenstände
in neue, oft fragile Bedeutungsebenen überführt werden. So entsteht eine künstlerische Sprache, die zwischen
Vertrautheit und Entfremdung oszilliert und zugleich grundlegende Fragen unserer Gegenwart berührt: den
Umgang mit materiellen Resten, mit Geschichte und mit der Zuschreibung von Bedeutung.
Sasha Koura wurde in London geboren und absolvierte ihr Kunststudium am Chelsea College of Art in
London und an der Ruskin School of Drawing and Fine Art in Oxford. 2023 war sie Preisträgerin des renom-
mierten Hanna-Nagel-Preises und 2024 Stipendiatin des Landes Baden-Württemberg an der Cité Interna-
tionale des Arts in Paris.
Zur Ausstellung
In ihrer Einzelausstellung „Von Schwelle zu Schwelle“ in den Räumen der Gesellschaft der Freunde junger
Kunst im Alten Dampfbad entfaltet die Künstlerin ihre räumlich sensible Arbeitsweise in fünf Sammlungen,
die zu Orten stiller, sinnlicher Erfahrung werden.
Ausgehend von Paul Celans gleichnamigem Gedichtband versteht Sasha Koura die Schwelle als zentrales
Denkbild – als Ort des Dazwischen, des Unabgeschlossenen, des Fragilen. Ihre Arbeiten stehen in respektv-
ollem Dialog mit Celans Verständnis von Dichtung als offenem, fragmentarischem Raum, in dem Sinn nicht
festgeschrieben, sondern nur im Moment des Einlassens erfahrbar wird – durch das Nichtgesagte und das
einfühlende Gegenüber.
In einer Gegenwart, die von Vereinfachung, Polarisierung und Bedeutungsüberfrachtung geprägt ist, setzt
die Ausstellung auf eine Haltung der Offenheit und fordert dazu auf, sich fragilen Räumen des Übergangs
bewusst auszusetzen. Sasha Koura nimmt diesen Gedanken auf und überträgt ihn in ihre künstlerische
Sprache: Papierfragmente, Überreste und Fundstücke werden neu geordnet, geschichtet, fotografisch
dokumentiert oder in fragile Konstellationen gebracht.
Die Künstlerin arbeitet häufig mit thematischen Sammlungen, die sie über längere Zeit fortführt. Eine
dieser Werkgruppen, die in der Ausstellung gezeigt wird, ist die Serie Zeugnisse. Darin werden aussortierte
persönliche Dokumente in den musealen Raum überführt – nicht als Archiv im eigentlichen Sinne, sondern
als Reflexion über den Prozess des Archivierens selbst: über Auswahl, Aufbewahrung und Vergessen im
Rahmen wechselnder Wertesysteme.
Eine weitere Sammlung, die in der GFjK erstmals ausgestellt wird, ist das Fremde-Heimat-Museum. Diese
fortlaufende Werkgruppe versammelt Objekte und Dokumente zum Thema konstruierte Herkunft und
imaginiert ein fiktives Museum aus einem Land jenseits von Zeit und Ortung. Die Sammlung spielt mit
vertrauten Formen kultureller Erinnerung und lädt dazu ein, über Zuschreibungen von Identität, Geschichte
und Fremdheit nachzudenken.


