Thomas Grochowiak trifft Friedemann Hahn
07.05. - 04.07. 2010
 
Thomas Grochowiak, "Jeux d'eau, 1997, Tusche auf Fabriano, 70x50 cm

Friedemann Hahn, "Gun Cazy", 2006, Öl auf Leinwand, 220x120

Thomas Grochowiak

Die Gesellschaft der Freunde junger Kunst zeigt in ihren Räumen im Alten Dampfbad eine Künstlerbegegnung der besonderen Art: Der 95jährige Thomas Grochowiak, Maler und Graphiker seit vielen Jahren in Kuppenheim bei Baden-Baden lebend, hat sich als Begleiter seiner Werkschau Friedemann Hahn ausgesucht. Hahn, 1949 in Singen am Hohentwiel geboren, lebt und arbeitet in Brandenberg  bei Todtnau im Südschwarzwald.

Im Mittelpunkt der Ausstellung steht das Element, das beide Künstler miteinander verbindet: die Farbe. Grochowiaks Arbeitsprinzip klingt schlicht, ist aber hoch differenziert. Für seine ungegenständlichen Bilder verwendet er gezielt Farben, die gleichzeitig auch die Formen entwickeln. Oftmals kommen dann noch kalligraphische Zeichen hinzu, die in Kombination mit den farbigen Flächen Spannung erzeugen. So entstehen Bilder in leuchtenden Farben, die Optimismus, Lebendigkeit und Lebensfreude ausstrahlen.

Farbe ist auch für Hahn Dreh- und Angelpunkt des Werks, was ihn zu der Äußerung veranlasste: "Es gibt keine  Materialität außer Farbe". So entsteht Malerei als Malerei, die als "abstrakter Realismus" bezeichnet werden kann. Die Inspirationsquellen für das Schaffen der beiden Künstler sind aber unterschiedlich. Für Thomas Grochowiak ist es die Musik - mit Vorliebe für Wolfgang Amadeus Mozart. Friedemann Hahn  ist ein begeisterter Filmliebhaber und
-kenner, was weite Strecken seines Werkes prägte. Aber er scheut sich auch nicht, auf vergangene Bilderwelten zurückzugreifen bis hin zur christlichen Kunst.

Thomas Grochowiak ist einer der bedeutendsten Künstler nach dem 2. Weltkrieg in der Bundesrepublik Deutschland und wahrscheinlich der letzte aktive unter denen, die nachhaltig die Szene der 1950er und 1960er Jahre prägten. Unter dem Einfluss von Pablo Picasso, Marc Chagall sowie Henri Matisse startete der Bergmannssohn und Plakatmaler für das Kaufhaus Karstadt eine ungewöhnliche Karriere. Gemeinsam mit Kollegen, z.B. Emil Schuhmacher, gründete er die legendäre Künstler-vereinigung "junger westen", und machte sich durch zahlreiche Ausstellungen im In- und Ausland einen Namen. Aber nicht nur dies: Grochowiak war über weite Strecken seines Lebens auch ein "Ermöglicher". Als Leiter der Ruhrfestspiele, Direktor der Städtischen Museen Recklinghausen und in anderen Funktionen förderte er großflächig andere. Für sein Werk wurde er mehrfach unter anderem mit dem Großen Verdienstkreuz ausgezeichnet. Ins Badische kam er bereits vor vielen Jahren der Liebe wegen.

Auch Friedemann Hahn, obschon 35 Jahre jünger als Grochowiak, blickt auf eine erfolgreiche Künstlerbiographie zurück. Nach einem Studium an der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste Karlsruhe, wurde er Meisterschüler von Karl Otto Götz. Seit 1991 ist er Professor für Malerei an der Johannes Gutenberg Universität in Mainz. Seine Werke werden nicht nur in Deutschland, sondern auch in der Schweiz, Italien, Großbritannien und den USA immer wieder präsentiert.

Die Ausstellung wird am Freitag, 07. Mai 2010, um 19.30 Uhr eröffnet. Zur Einführung spricht Dr. Dirk Teuber.