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Annett Bienhaus entführt uns in scheinbar
märchenhafte Idyllen und Bildwelten, die sich jedoch an der
Einfachheit Ihrer Motivwahl festhalten. So sehen wir keine
exotischen Phantasiegestalten, keine Kuriositäten, sondern wir
begegnen einer Fledermaus, Vögeln und Pferden, in strenger,
naturalistischer Malweise dargestellt, die Erinnerungen an
Abbildungen aus naturkundlichen Lehrbüchern weckt. Die
Konzentration liegt in der Präzision der Ausarbeitung. Sie
erhalten einen symbolträchtigen Charakter. Die Umgebung und der
Lebensraum der Tiere wird nur angedeutet, ein Baum, ein Ast, aus
Farbe gegossen, die sich bei näherer Betrachtung ins
Ungegenständliche auflösen.
Gezielt setzt Annett Bienhaus nur wenige Motive auf die Leinwand
und konzentriert sich auf die Bildkomposition. Die
Tierdarstellungen erscheinen um einen geringen Anteil größer als
Ihre realen Zeitgenossen und erwecken die Erinnerung an
Darstellungen oder Abbildungen aus naturkundlichen Lehrbüchern.
Oftmals schauen uns die Tiere direkt an, ohne Scheu ziehen sie
uns auf diese Weise als Betrachter in den Bildraum hinein. Ein
altbekanntes und mehrfach angewendetes Mittel in der
Portraitmalerei und dennoch sehr ungewöhnlich in dieser
Konstellation, der Betrachter Auge um Auge mit Pferden oder
einer Vielfalt von Vogelarten.
Darüber hinaus erwartet uns rohe, unbehandelte Leinwand,
Leerstellen, die nicht gefüllt wurden. Auch die Materialität der
Leinwand scheint zur Inhaltlichkeit zu werden. Annett Bienhaus
bettet die Motive nicht in Ihre Umgebung ein, sondern separiert
sie wie kleine Inseln im Bildraum. Eine Zuordnung zur
Stilllebenmalerei liegt nahe, jedoch lässt die Größe des Formats
an Landschaftsmalerei denken. Auch in Ihren Collagen "nature
ikebana series" erzeugt die Künstlerin Spannung, indem sie
scheinbare Wiedererkennung und Erkenntnis suggeriert. Es sind
eindeutig Gattungsmerkmale erkennbar, eine genaue Zuordnung ist
allerdings nicht möglich. Annett Bienhaus spielt mit bekannten
Bildgattungs-merkmalen der Malerei, verbindet sie und reduziert
diese auf ihre wesentlichen, oberflächlichen Merkmale.
Das ambivalente Spiel mit dem Fragmentarischen bildet einen
mentalen Spielraum für den Betrachter, indem sie bewusst nur die
Methodik ihrer Interessengebiete aufgreift. Die Brüche und
Kontraste der verschiedenen Bildebenen ermöglichen uns einen
Blick hinter die Schönheit der Oberfläche, deren genaue
Bestimmung oder Bedeutung jedoch im Ungewissen bleibt.
Annett Bienhaus wurde 1972 in Stuttgart geboren. Sie studierte
Malerei an den staatlichen Akademien der bildenden Kunst in
Stuttgart und in Karlsruhe und schloss ihr Studium 2005 mit dem
Meisterschülertitel ab. Sie lebt und arbeitet in Karlsruhe. |
von oben:
"The best and the lost", 2009, 150x230 cm, Öl auf Nessel
"Mondsüchtig", 2008, 100x150 cm, Öl auf Nessel
"Nature" Ikabana series, 2009, 65x60 cm, Öl auf Nessel
"Bambi", 2008, 40x60 cm, Öl auf Nessel |