DC VEERO
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06. Juli - 17. August 2008

 

L’Imagination au Pouvoir --- Veeros Werk: UneVérité à Faire …

Prof. Dr. Eike Gebhard
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Eine zwar nicht verbriefte, freilich nicht unwahrscheinliche Anekdote über Hegel kolportiert, er sei am Ende seines Lebens von einem Studenten angesprochen worden, der sein ausgefeiltes System bewunderte und nur einen winzigen Fehler darin zu entdecken meinte: es stimme nicht mit der Wirklichkeit überein. Worauf Hegel nachdenklich erwidert haben soll: Dann allerdings stünde es schlimm um die Wirklichkeit ...

Hegel war lebenslang auf der Spur der Hinter-, Unter- und Beweggründe der Geschichte.  Sozusagen auf der Spur ihres Unbewussten, dass er ins Bewusstsein heben, vor-stellen wollte. Auch des Verdrängten, des Unpassenden, Unbrauchbaren, der unterdrückten Erinnerung – die laut Bloch immer auch eine Erinnerung an die (mögliche) Zukunft ist. Ein Freud der Geschichtsphilosophie. Und ein Utopist, der glaubte, dieses Bewusstsein komme irgendwann zu sich.

Die Wahlverwandtschaft zum Jubilar muss wahrlich niemand eigens beschwören, sie ist augenfällig.

Utopien gelten heute als diskreditiert – weltferne Ideologien seien das, die Menschen auf verquere Weise zu ihrem Glück zwingen wollen. Dabei wollen Utopien zunächst einmal nur zeigen, dass alles, was ist, nicht notwendig so ist, wie es ist, dass jeder Status quo nur eine begrenztes Auswahl all seiner Möglichkeiten realisieren kann, also unverwirklichte Potentiale enthält. Dass es also – im Gegensatz zum Fundamentalismus der Ordnungspolitiker (auch und gerade der ästhetischen) - immer und grundsätzlich Alternativen gibt. Künstler waren in dieser klassischen Sicht die Geburtshelfer dieser Möglichkeiten - sie dienten nicht zufällig in der deutschen Klassik oft als Erzieher des Menschengeschlechts, weil sie lehrten, diese Alternativen mitzudenken - indem sie sie, im Wortsinn: vor-stellten, zu Szenarien verdichteten.

Denn eben wo Begriffe fehlen, da stellt ein Bild zu rechten Zeit sich ein … 

Sollen wir daher einem Künstler glauben, der behauptet, seine "Bilder wollen weder einen Weg weisen, noch irgendeine Philosophie vertreten."  "Vielmehr den Betrachter einladen, seine Phantasie auf die Reise zu schicken"?  Will Veero, der begnadete Steuermann solcher Phantasiereisen, uns tatsächlich der Willkür und den Zufällen unserer Assoziationen überlassen? Dass ein Künstler nicht der definitive Interpret seiner eigenen Werke sein muss, ist ein Gemeinplatz. Wie dem auch sei: Jedenfalls sind Veeros halbgegenständliche Formenspiele von derartiger Suggestivkraft und manchmal gar von zwingender Stringenz, dass wir ihm ein ziemlich sicheres Gespür unterstellen dürfen/müssen, was sich auf den un- und vorbewussten inneren Bühnen seiner Zeitgenossen abspielt.  Wären seine verspielt wuchernden, pulsierenden Bilder reine subjektive Willkür, skurrile Versponnenheit: Wir würden sie belächeln, uns aber kaum verführt oder gar ertappt fühlen, wenn wir in den Sog seiner Visionen gezerrt werden.

Woher diese Intuition - die übrigens ganz ähnlich in den Wissenschaften funktioniert: Wie kommen wir dazu, eine neue Idee als viel versprechend einzuschätzen – obwohl sie, weil neu, (noch) nicht im sprachlichen, auch bildsprachlichen Diskurs legitimiert, geschweige kanonisiert ist?  Die Grenzen unserer Sprache sind die Grenzen unserer (Vorstellungs-)Welt, wusste Wittgenstein.  Künstler dürfen diese Grenzen durchstoßen, es ist ihre Aufgabe: Wovon wir kein Bild haben, davon müssen wir uns eins machen: Eine vérité à faire nennen Philosophen das.  Es gibt offenbar nicht nur Bewusstsein und Unbewusstheit, sondern diverse Abstufungen, in denen wir eine Art latentes Wissen in Bereitschaft halten, das noch keine Entsprechung in der gerade amtierenden Wirklichkeitsdefinition hat, noch keinen Anwendungsbereich kennt. Daher die gelegentliche Suggestiv-, ja Überzeugungskraft gänzlich fremder Ideen, Formen und Verhaltenweisen, die eigentlich gar nichts in uns auslösen dürften – außer Neugier vor der Exotik. Sind sie uns womöglich gar nicht so fremd?

Der weitgereiste, welterfahrene Veero weiß, dass subjektive Willkür kaum jemanden anrührt, und er weiß auch: Nur ein bisschen Verfremdung macht noch niemanden kreativ: Ein bisschen Multiperspektivik wie im Kubismus, eine pointillistische Atomisierung, ein expressionistischer Gefühlsausdruck - im Grunde alles, wenn schon nicht  Konzeptkunst, so doch Programmkunst - geboren aus der schier unzerstörbaren Hoffnung, Form sei immer die ihres Inhalts (mit dieser Formel verhöhnte dereinst Hegel die Kontroverse Formalisten vs Inhaltshuber).  Schlichte Inhalte werde durch formales Raffinement nicht besser - sie bleiben ausgeklügelten Design.  Lässt sich fürs Abenteuer der Entdeckung, des Spiels, des Selbstexperiments überhaupt eine ‚angemessene’ Form finden?  Ist es Zufall, dass Veeros Werk strotzt vor spielerischer Sinnlichkeit und unbefangener Sexualität?

Scheint es auch surreal, so hat es doch Methode: Nicht nur lassen die Sinne sich nur schwer auf kategoriale, geschweige kategorische Grenzen einschränken.  Sex hat ja nicht nur seine eigene Formensprache – die allgegenwärtigen anmutigen Rundungen, die verschlungenen Linien und ineinander fließenden Flächen, die quellenden, kurvigen Auswucherungen.  Sex steht vor allem für die Auflösung fester Identitäten („any way you want me, that’s how I will be“, singt Elvis’ sein schönstes Liebesangebot …): Im Rausch (welcher Art auch immer), in der Ek-Stase sind wir, im Wortsinn, außer uns – und damit offen und bereit für andere Identitäten.  Für situative Selbstentwürfe, Lebens- und Erlebnisformen, die wir womöglich nie ins Auge fassen würden, würden uns ihre möglichen Zutaten nicht buchstäblich vor Augen geführt.  Natürlich nicht als bildliches Skript oder gar Präskript – da nehmen wir Veero gern ab, dass es uns keine Lebensphilosophie andrehen will; wohl aber als Bühnen und Requisiten - einen ganzen lebensprallen Fundus breitet Veero vor uns aus, Schatzkammern von Symbolen und frei flottierenden Assoziationen, Höhlengänge und offene Horizonte, Tanz und Spiel und Labyrinthe.  Eine angebotsorientierte Kunst?  Eine Kriegserklärung oder melancholische Verspottung unserer Selbstsucht – jener kuriosen Sucht, ein wahres, wesentliches, eigentliches Selbst zu haben?  Filter, wenn nicht gar Scheuklappen als Orientierungshilfe?

Dieser Modeschmarren namens Selbstfindung, Selbstverwirklichung usw. – am schlimmsten ist der Authentizitätswahn - stutzt und verarmt ja die Erlebnisfähigkeit.  Ein Selbst findet oder verwirklicht man nicht – das hieße ja, es wäre schon da –, ein Selbst gestaltet man: Im Wechselspiel und Spiegel anderer Menschen, Dinge und Fantasien, eben auf immer neuen Bühnen, auf die wir uns wagen und auf denen wir uns mit (erst einmal) fremden Augen sehen. Nietzsche hätte wohl gejubelt ob Veeros „Kraft, sich neue und eigene Augen zu schaffen“ (so seine berühmte Formulierung).  Neu-Gier ist eine Produktivkraft, aber um sie zu nutzen, müssen wir erst einmal, zumindest zeitweilig, buchstäblich von uns absehen;  vor allem aber von jenem Kulturideal der fröhlichen Selbstentmündigung: Der Mensch als Vollstrecker von Vorgaben, die wir mit Euphemismen wie Pflicht, Treue, Verantwortung usw. verzuckern.  Diese Zwangsjacke zu lockern, sollten einst die Drogen helfen: L’imagination au pouvoir! Veero hat nie gezögert, die nicht zufällig tabuisierten Mittel zur Bewusstseinsbefreiung zu mobilisieren – wie viele seiner Kollegen von de Quincey und Coleridge bis zu Ernst Jünger.

Fast durchweg in Veeros Bildern lösen sich daher Identitäten wie auch gegenständliche Assoziationen an irgendeiner Stelle auf, gehen über in etwas Anderes, oft zunächst Unbestimmbares, meist wachsen sie sich aus zu einer neuen Figur bzw. einem figürlichen Fragment, mitunter ganz ohne Farbwechsel, und manchmal verlieren sie sich in einer exakt abgegrenzten Formlosigkeit als verharrten sie unschlüssig im Zustand der Latenz.  Und dann entdeckt man doch noch einen Mund auf halbem Weg, unter Quellformen wie Brüsten, eine Brille - und gleich daneben aber auf einer anderen Fläche ein Mund, eine kubistisch perspektivierte Nase und statt eines Auges ein Boot oder eine Wanne mit angedeuteten Gesichtern - Gesichter und Augen, immer und überall: Als hätte Veero jene These illustriert, wir müssten nicht nur sehen lernen, sondern auch gesehen zu werden; dass nicht nur wir die Dinge, sondern dass die Dinge auch uns anschauen.

Und so ist Veeros Formsprache eben alles andere als willkürlich: Dass alles unaufhörlich ineinander übergeht, widerspricht zwar unserem Ordnungssinn und Orientierungsbedürfnis.  Mit der Auflösung der Zentralperspektive – im Abendland das Ich, bei dem alle Fäden zusammenlaufen – gewinnen die Dinge ihr Eigenleben zurück.
 Diesen Blick ohne Koordinaten hat Veero vermutlich im sogenannten Morgenland erlebt und gelernt. Ohne festen Ausgangspunkt einerseits, ohne Ziel andererseits wird jede Wahrnehmung zu einer Art zielfreier Reise – und auf diese will uns Veero mitnehmen. "Jeder von uns ist nur ein Versuch, ein Unterwegs" ... Es ist das alte ehrenwerte Motiv der Lebensreise, das wir ganz zu Unrecht einzig mit der Romantik verbinden.  Wir würgen gern das lebenslange lernen ab mit dem bizarren Ideal der ‚Reife’: Dass unsere Entwicklung irgendwann ein Ende haben müsse.   Die Neurowissenschaften wissen es besser: Das Hirn fungiert als Dialektik von äußerer und innerer Mobilität.  Mit jeder neuen Außenperspektive verändert sich auch unser Blick auf uns selbst, unser Selbstbild, und damit wiederum unsere Wahrnehmungs-, Erlebnis- und Beziehungsraster im Hin-Blick auf die Dinge.  Unsere Herangehensweise steuert, wie die Dinge uns an-gehen.

Die Kunst war schon immer eine Bühne, auf der wir probehandeln, Rollen und Identitäten durchspielen konnten ohne dass ein nörgelndes Realitätsprinzip uns gleich wieder zur Ordnung rief.  Zur amtierenden Ordnung.  Insofern hat der schlitzohrige Hegel doch wieder Recht: Eine Lebenseinstellung (im Doppelsinn des Wortes), die mit dem bloß Gegebenen zufrieden wäre, würde dieses nur reproduzieren. Kinder sind noch gesund misstrauische gegen diese Robotermentalität, und etwas von dieser strategisch kindlichen Haltung hat sich Veero hartnäckig bewahrt.  Ein Spieler, im schönsten Sinne: Nur nämlich wo der Mensch spiele, sei er ganz Mensch, hatte Schiller behauptet.  (Sonst sei er nur Vollstrecker äußerer oder innerer Diktate, wie dieser spottete.)  Im Spiel können wir probehandeln.

Dennoch: Das ziellos dasselbe wie disziplinlos sei, ist ein Vorurteil unserer Kultur.  Veero formale Schludrigkeit vorzuwerfen, wäre absurd.  Im Gegenteil: Veero malt mit schier unglaublicher formaler Präzision (von der so viele unserer Junggenies handwerkliches Ethos lernen könnten, sollten); aber man hat den Eindruck, er will, wenn er anfängt, durchaus noch gar nicht wissen, wo es hinführt.  Es ist ein wuchernder, fruchtbarer Kosmos, geboren aus einem Gestus, der, einmal an einem Thema, unaufhörlich weitere Wucherungen gebiert, manche mit offenbarer Verwandtschaft zur Ursprungsvision, andere mutieren zu einem geradezu unheimlich fruchtbaren Quellcode oder Lebensborn, der jeden Moment in 1001 Richtungen Rhizome streckt.  Ob das die Drogen sind, ob es andere Heuristiken gäbe für solche Erfahrungen, sei dahingestellt - eines jedenfalls ist offensichtlich: Der manchmal atemberaubenden Komplexität seiner Bilder liegt kein Master-Plan zugrunde, sie sind keine Kompositionen im strengen Sinn eines geschlossenen Kunstwerks; sie sind das offene Werk schlechthin, reiner ließe sich keine Verkörperung dieses Begriffs denken.  Über das allmähliche Verfertigen der Zwecke beim Arbeiten, hätte Kleist das genannt - oder, mit der souveränen Schnoddrigkeit des englischen Romanciers E. M. Forster gefragt: Wie soll ich wissen, was ich denke bevor ich sehe, was ich male (Forster sagte natürlich: schreibe ...).


Gleichwohl gibt es ja durchaus Leitmotive in dem Werk dieses begnadeten Bewusstseinsnomaden. Themenwahl ist ja bekanntlich keine außerästhetische Entscheidung.  Sie legt Rahmen und Richtung möglicher Bedeutungen fest - und ihrer potentiellen Weiterentwicklung.  In Sachen Sexualsymbolik hatten wir’s schon oben durchgespielt. Typische Wiedergänger auf seinen Bildern sind Augen, Masken, Boote, Ballons - und immer wieder die Myriaden verschlungener Linien wie Dendriten im Hirn - eine Art Schädeltheater nannte ein Freund die Bilder.
Augen als Wahrnehmungsoptionen (mitunter gar mit mehreren Pupillen), Masken als multiple Identitäten, Boote als Motiv der ergebnisoffenen Reise (Straßen mutieren manchmal zu Tierformen), Ballons fürs Abheben von der Schwerkraft kultureller Zwangsassoziationen – alles Willkür-Deutungen, zugegeben; aber naheliegende.  Und wenn sie zutreffen, ist Veero von einem schein-naiven Raffinement, wie man es auch Rousseau, dem ‚Zöllner’, nachsagte - mit dem Bonus, dass wir heute die Identität von Gegenständen als kontingent und variabel empfinden.  So gehen bei Veero Gesichter, Körperteile, Landschaften, Pflanzen, Schiffe, Wellen ... zwanglos in einander über, werden zu Körperlandschaften. Wie bei Schizophrenen weiß man oft nicht, wo das eine aufhört und das andere anfängt - im Extremfall überlässt  sich die eigene Sicht der Eigendynamik des Bildes.  Und dieser Extrem-Fall ist ziemlich häufig bei Veero: Kaum haben wie eine Geste, eine Körperhaltung ausgemacht bei einer Teilfigur, haben uns der Dramaturgie seiner Linienführung überlassen, um eine darin ausgedrückte Haltung oder Empfindung nachzuvollziehen, da sind wir schon im Körperteil einer anderen Kreatur, mitten auf einer Straße, rauchen als Schornstein, schwelgen an einer weiblichen Brust, werden von Wellen verschlungen ...  Da umarmt ein weiblicher Torso mit einer wohlgeformten Hintern als Kopf schmiegsam und sehnsüchtig (entnehmen wir der Haltung) den Schornstein (vermutlich eines Schiffes), der seinerseits sich zur Schreibfeder auswächst und die Silbe "te" schreibt - das ganze vorangehende Wort müssen wir gestalten: Es könnte die Vergangenheit ganz verschiedener Handlungen suggerieren - träumte, liebte, reiste, tötete - oder aber auch einen Frauennamen wie Beate, Dörte oder einfach Geliebte ...

Veero entlässt uns nicht aus der Mitarbeit.  Denn das sind nicht "einfache Linien, ausgefüllt mit Farbe", wie er uns weismachen will in seiner doppelbödigen Bescheidenheit.  Sie sind die Lockung eines Dschungels, ein Ruf des – wirklich? – Unbekannten, vielleicht gar Unerlösten in uns.

Wer in diese Ausstellung geht, so scheint es, geht in sich …

"Meine Muse", Bildausschnitt

 

Pressetext (Jessica Beebone):

Die diesjährige Auszeichnung "Künstler in Baden-Baden" geht an den Maler und Zeichner DC Veero. Am
07. Juli 1938 in Berlin geboren, gibt es gleich zweifachen Anlass zu feiern: den 70. Geburtstag des Künstlers und eine umfangreiche Retrospektive mit rund 50 Arbeiten aus den letzten 10 Schaffensjahren.

Die Gesellschaft der Freunde junger Kunst freut sich, mit DC Veero einen Künstler präsentieren zu können, der in den wilden 70er Jahren für das Kulturleben der Stadt Bade-Baden wichtige Verdienste geleistet hat. Und bis heute ist die Stadt an der Oos ein Ankerplatz für den umtriebigen Weltreisenden geblieben, den es im Laufe seines Lebens vom Prenzlauer Berg, nach Italien, Holland, an die Cote d’Azur, bis in den Vorderen Orient und nach Indien und Oregon verschlug. Während seines ersten Aufenthaltes in Baden-Baden 1960-1961 erlernte Dieter Cornels im Atelier von Karl Haumann das Mosaikhandwerk. Parallel entstanden erste abstrakte Bilder. Angefangen hat der Autodidakt mit Farbmalereien. Es folgten politische Collagen. 7 Jahre später kehrt der Maler von Berlin nach Baden-Baden zurück, um in der Altstadt in der Steinstrasse eine kleine Ladengalerie zu eröffnen. Mit großem Erfolg wird hier Kunst späterer Grössen gezeigt, vermittelt, gefeiert und nächtelang diskutiert, die heute in der Sammlung Frieder Burda „zuhause sind“.
Es ist die Zeit der Auf- und Umbrüche, gesellschaftlich wie politisch. Die Liste der in der Galerie "Cornels" ausgestellten Künstler, die 1973 größere Räume in der prominenten Sophienstraße bezieht, liest sich heute wie das „Who is Who“ der Kunstgeschichte. Der junge Galerist arbeitete unter anderem mit Ottmar Alt, Thomas Bayrle, Joseph Beuys, Jürgen Brodwolf, Robert Filliou, Alfonso Hüppi, Jörg Immendorff, Dieter Krieg, Sigmar Polke, Gerhard Richter und Daniel Roth.

1974 zieht es den Künstler wieder in die Ferne, nach Indien und in die USA. Während dieser Zeit entstehen erste großformatige Bilder mit Aqua-Tec-Farben auf Leinwand, die mit dem Sanskritwort Deva Veero = göttlicher Mut, signiert werden. Mut brauchte es immer wieder, um in einem unruhigen Leben, dessen einziges Kontinuum Abbrüche und Neuanfänge sind, Haltung zu bewahren. Die in der Gesellschaft der Freunde Junger Kunst gezeigten Zeichnungen und Bilder machen eindrucksvoll deutlich wo der Künstler stand und heute noch steht. Seine phantasiereichen und mit leidenschaftlicher Akribie gemalten Bilder erzählen von einem Leben, das sich weniger der Aufrechterhaltung des eigenen Künstleregos verpflichtet sieht, sondern vielmehr dem Glauben an die universelle Liebe, die Lebensfreude im Hier und Jetzt und einer Wirklichkeit jenseits des rationalen Bewusstseins. Augenformen, Frauenkörper, Wolken, Herzen, Gestirne und Worte verschlingen sich ineinander, fließen in der ornamentalen Linie zusammen und bilden abstrakte Formen. Der Stil DC Veeros hat seine Wurzeln in der comichaften Bildsprache der Pop Art. Die spirituellen Quellen aus denen geschöpft wird, finden sich nicht zuletzt bei Kandinsky und den deutsche Expressionisten wieder. Beides erfährt bei DC Veero eine eigenwillige Transformation. Die ungebrochene Vitalität und Fabulierkunst aktueller Arbeiten macht deutlich: wer Visionen hat und sie ernst nimmt, der hat auch was zu erzählen, das Viele anspricht, obwohl die Betrachter vor Rätsel gestellt sind, denn einfach zu lesen ist diese Kunst nicht. Darin liegt unter anderem ihr besonderer, zeitloser Reiz. Seit 2003 lebt DC Veero wieder in Baden-Baden.

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