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Hans - Joachim Teegelbeckers |
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Künstler in Baden-Baden |
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Kunst - "dass ein Mensch sie
tragen kann!"
Er ist ein Eremit der Kunst. Scheinbar unbeeindruckt von der Welt um ihn, stellt der Zeichner, Maler und Bildhauer Hans-Joachim Teegelbeckers seine innere Welt dar. Eine hermetische Konfiguration aus sichtbarer Wahrnehmung und Vision, angehäuft in beängstigender Fülle und Bedrängnis. Der Künstler hat - fast völlig unbemerkt von der Szene - in mehr als zwanzig Jahren ein gewaltiges Panoptikum aus Bildern und Objekten geschaffen, mit dem er in seiner kleinen Atelierwohnung auch zusammen lebt. Um einem Missverständnis vorzubeugen. Teegelbeckers ist kein Naiver, seine Begabung war schon früh aufgefallen. Er durchlief eine hervorragende akademische Ausbildung bei Horst Egon Kalinowski an der Karlsruher Akademie, versuchte sich einige Jahre sogar als Kunsterzieher, ehe er in sein selbst geschaffenes Panoptikum zurückkehrte, ein Leben in materieller Bescheidenheit fristend, aber mit einer wachsenden Zahl merkwürdiger Gesellschafter, die er sich malt oder baut. Ein Außenseiter, gewiss, der an der üblichen Elle der Kunstmarktverträglichkeit nicht messbar ist. |
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Der Betrachter ist also auf das angewiesen,
was er sieht und was er weiß. Dass die Bildbotschaften um den Künstler
selbst kreisen, lässt sich nachvollziehen. Auf einigen Bildern taucht
Hans Joachim Teegelbeckers
selbst auf, einmal sogar als zentrale Mittelpunktfigur. Ein zarter,
bärtiger junger Mann, die Figur des Künstler im Profil gesehen. |
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Nach innen gekehrt ist der Künstler geblieben, doch nicht im
Sinne eines undurchlässigen autistischen Systems. Denn Tegelbeckers war
darauf angewiesen und dankbar für die Ratschläge seiner Lehrer,
übernahm einige der anti-modernistischen Tendenzen seines ganz auf die
Historie ausgerichteten Kunsterziehers, verzweifelte später an den
formalistischen Ratschlägen seines Akademieprofessors, der keine Zugang
zur empfindlichen Psyche seines Studenten fand. Dem Generalästhet
Kalinowski war dies alles zu unruhig, das sei "wie wenn man sich voll
frisst." |
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Er verbindet eine konkrete Vorstellung
damit. Immer - auch das ist eine Regel - fertigt er sie so, "dass ein
normal gebauter Mensch sie tragen kann." Denn der Künstler besitzt weder
Führerschein noch Auto, schleppt seine Werke oder deren Grundsubstanzen
oft im Linienbus durch die Gegend.
Auch die Haut selbst ist kein Abstraktum. Aus der
Entfernung könnte sie den vielteiligen Strukturen seiner Bilder
ähneln, aus tastbarer Nähe reizen sie zum Überfahren mit der Hand.
Wer hat schon einen Fisch gestreichelt? In der einen Richtung ist die
Oberfläche glatt und samten, "gegen den Strich" jedoch rau
und rissig (besonders beim Hai), als könnten die Tiere sich der
Berührung noch erwehren. Als Untermaterial benutzt Hans-Joachim
Teegelbeckers Pappe, Papier, Pappmachée und Draht, bei den schmalen
stabartigen Objekten auch Holzteile - "interessante Formen, die ich
finde.". Alle Grundmaterialien sind ursprünglich weich und
biegsam, werden durch das Bekleben versteift, behalten aber den
organischen, beinahe fleischlichen Charakter. Oft baut Teegelbeckers
mittlerweile auch Fische aus Fischhäuten. Bis auf den heutigen Tag hat
er in seiner Küche ein Fischhautlager. Vor der Verwendung werden die
Häute sorgfältig abgekocht. "Madenbefall kommt nicht vor",
sagt der Künstler in der für ihn typischen lakonisch und manchmal
sprunghaften Ausdrucksweise. |
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Auch
Puppentheater-Vorstellungen sieht er gerne, und wenn Tegelbeckers davon
erzählt und von dem, was er zu Papier oder Leinwand gebracht hat, tut
er dies distanzlos, als lebe er wirklich in der Welt dieser Figuren, in
der es Gute, Böse und Krokodile gibt. Auf den Bildern sind die
Gestalten ohne Handlungszusammenhang untergebracht, er selbst weiß aber
noch genau die Geschichte, die zu den Figuren führte. Besonders
beeindruckend ist die Serie von zwanzig kleinen Gemälden, entstanden in den letzten vier Jahren, die in
kaum zu bändigender Fülle ein Welttheater der Randerscheinungen
zelebriert. Der Künstler nimmt teil an einer Elite der Ausgegrenzten
und mischt sie zu einem neuen Spiel mit seinen Karten. Oft erinnern die
Gestalten an das Volk auf alten Kreuzigungsbildern. Die Gesichter
karikaturhaft übersteigert, die Farbigkeit plakativ, die Räume eng und
überfüllt, der Rhythmus stakkatoartig. Die Figuren sind puzzleartig
aneinandergesetzt, aber das ist nur eine -formale Beziehung. Sie
scheinen nur etwas miteinander zu tun zu haben, weil sie sich ähneln,
nicht aber, weil sie gemeinsam etwas tun. Besonders sprechend die
Blicke: In den Hundertschaften der Köpfe findet man kaum geschlossene
Augen. Dennoch scheinen die Augen keinen Kontakt zu suchen, Blicken aus
der Fülle ins Leere. Die Versuchung psychologischer Kalküle ist groß,
doch haben die Werke ein Recht auf autonome künstlerische Existenz. Sie
erfüllen in hohem Maße die formalen Ansprüche eines Kunstwerks,
faszinieren durch ihre Vielschichtigkeit und lassen eine naive
Aufrichtigkeit spüren, die anrührt. Die Uferlosigkeit der Eindrücke
mündet in den sichtbaren Versuch, sie in eine Ordnung zu bringen. Diese
folgt aber nicht den Gesetzen der Logik, sondern der spontanen
Assoziation. Im technologischen Zeitalter die Rückkehr in den Kern des
Menschen - und das ist immer wieder der Kopf. |
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