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Bestiarium
Ohne die Felle wären die tragikomischen Inszenierungen der Künstlerin
belanglos und hinfällig. Das Bestiarium, der "Physiologus der
mythisch-realen Tiere", den die Künstlerin erschafft, lebt
nicht von der richtigen Darstellung, sondern von der Authentizität des
Materials: Pelz ist ein Fell; ein Kunstpelz ist Plastik.
Erst in der
Kopplung, teilweise auch Verschmelzung, des natürlich vorgefundenen
Materials und des synthetischen, des industriell hergestellten Produkts
zeigt sich die jeweilig spezifische Daseinsform der Dinge, entwickelt
sich aus ihrer relationalen existentiellen Fremdheit ein neues Wesen,
wird der Dämon der Kunst wie auch jener der Gentechnik sichtbar: die
Welt nicht nur zu beschreiben, sondern sie zu erfinden. - Wobei die
<Erfindungen> Büches - gerade, weil sie nicht auf die Verwendung
des Ursprünglichen verzichtet - immer auch allegorische Mahnmale sind;
Zeichen einer existentiellen Problematik, die das heutige Bild von der
Kreatur (Mensch und Tier), aber auch der Dingwelt durchdringt:
der Verlust der Autonomie des Daseins, sowohl spirituell wie auch
physisch. (Text:R.Scotti) |
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